MANFRED HEINZE
 

quotes   on the work of Manfred Heinze  (german language only - sorry)


"Und es zeigt sich, dass die Kunst etwas leisten kann, was der kulturgeschichtlichen Analyse verschlossen bleibt: die bildnerische Artikulation und Reflexion von als bedeutsam erachteten Phänomenen, wobei diese immer an kollektive Diskursprogramme anknüpfen. Das Bild und das Inkommensurable haben hier ebenso ihren Platz, wie die dichte Auseinandersetzung mit privaten Kulturen. So etwas nennt man „artistic reseach“ oder „Künstlerische Forschung“. Kunst wird hier als epistemische Praxis gedacht, durch die Sachverhalte und Tatsachen beschrieben und kommuniziert werden können, ohne dass präzise Begriffe vonnöten sind. Die Bilder der Kunst zeigen subjektive Sichtweisen, ungewöhnliche Perspektiven und benennen Kontexte und Konstellationen, in denen die Sachverhalte aufgehoben und eingebunden sind. Diese Bilddiskurse sind bereichernd, denn sie ermöglichen subjektive Anschlüsse – das heißt sie machen Sinn. Insofern ist die überbordende Eibrot-Ausstellung nicht nur unglaublich unterhaltsam und anregend, sondern zeigt exemplarisch die Bandbreite kultureller Praxen in all ihren Nuancen und Feinheiten, die mit z.B. der Produktion und Rezeption von EiBroten verbunden sind. Das man diese auch essen kann, ist dabei sekundär (obwohl sie sehr lecker sind!). (...)
Manfred Heinze ist hier aber weit mehr als Kurator. Er ist Initiator, Impulsgeber und vor allem Künstler, der all die divergenten Positionen zu einem monumentalen Bild zusammengeführt hat."

Prof. Dr. Andreas Brenne, Text zur Eröffnung der Ausstellung »EiBrot« am 14. Mai 2017
in der StadtGalerie Osnabrück, und für den gleichnamigen Katalog zur Ausstellung

"Die amöbenhaften Gebilde, die bisweilen auch an Pantoffeltierchen erinnern, dominieren Heinzes Kunst seit 40 Jahren. Stetig verändern sie ihre Struktur: Mal sind sie zackig, mal rundlich, mal beschreiben sie geometrische Formen. Mal sind sie klein, mal groß, oft einfarbig, bisweilen haben sie eine Umrisslinie, mal dehnen sie sich hemmungslos auf der Leinwand aus. (...) Um sich von herkömmlicher Malerei zu distanzieren, hat Heinze auch darauf verzichtet, seine Bilder (oder sind es Objekte?) zu rahmen. Einfach an die Wand genagelt werfen die großen Stoffbahnen Falten, bewegen sich bei Berührung oder im Windzug. „Das vereinfacht den Transport ungemein“, sagt der Künstler. Er faltet und knüllt seine Werke ohne Rücksicht auf brechende Farbschichten oder sich lösende Applikationen einfach zusammen und unterminiert damit die Autorität des Kunstwerks. (...) Übrigens haben die Zellmotive in Heinzes Malerei trotz naheliegender Assoziationen keinen biologischen Hintergrund. Es war ganz lapidar ein Terrassenbelag aus Naturstein, der ihn zu seiner jahrzehntelangen künstlerischen Fixierung determinierte. Wer mehr über die Motivation und das Werk Manfred Heinzes erfahren will, kann sein 432 Seiten umfassendes Buch „Onomatopoesia Ahh“ erwerben, das zu Ausstellung erschienen ist."

Tom Bullmann, Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ), 24. Sep. 2016
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"Besonderes Kennzeichen, ja eine Art Alleinstellungsmerkmal seiner Malerei sind die sogenannten Zellen. Sie bilden ein Flächen- oder Füllornament, das keine Wiederholungen kennt und auch keinen Rapport hat. Die Sache mit den Zellen fing an, als Heinze vor vielen Jahren bei seinen Eltern zu Besuch war und allein auf der Terrasse saß. Er machte sich daran, deren aus Bruchsteinen bestehenden Belag abzuzeichnen. Das hatte Folgen bis heute. Die Zellen wurden kontinuierlich und konsequent weiterentwickelt. Sie bekamen Rundungen und wurden in Form und Farbe vielfältig variiert. Was Heinze uns heute zeigt, ist der aktuelle Stand seiner fast 40-jährigen Kunstpraxis. Er findet es zunehmend spannend, gegenständliche Abbildungen auf Fotos, Gemälden und Drucken oder auch industriell gewebte Stoffe mit seinen Zellen zu übermalen. Damit erweitert er sein ästhetisches Konzept um eine neue Facette. Ebenfalls neu ist, dass er seine Bilder ohne jeglichen Keilrahmen oder Schmuckrahmen frei an die Wand hängt oder auch auf den Fußboden legt, sodass aus ihnen Zwitterwesen zwischen Gemälden und Objekten werden. (...) Heinze möchte mit der Verwendung solcher Malgründe allerdings keine Aussage zum jeweiligen Thema machen. Trotz gegenständlicher Bezüge handelt es sich um abstrakte Malerei. Jedoch freut sich der Künstler darüber, dass verschiedene Betrachtungsweisen ermöglicht werden. Und ein bisschen Provokation soll durchaus sein."

Text: Ralf Sziegoleit,
vorgetragen zur Ausstellungseröffnung von Annie Sziegoliet, 10. Juni 2015, Kunstverein Hof

"Konzerne lassen sich im Konkurrenzkampf um die Darstellung von Macht und Prestige extravagante Bauwerke designen, um diesen flüchtigen Zeichen, diesen »Worldbrands«, die Gravität und Wucht des Skulpturalen zu geben – und um sie im chaotischen Gewühl des »generic city« als identitätssetzende Schwerpunkte einzupflanzen.  (...) Zu dieser Praxis des Branding liefern die Funktionalen Skulpturen von Manfred Heinze eine untergründige Kritik. Der Künstler sammelt markante Wahrzeichen und Gebäude aus der ganzen Welt und stellt sie – ähnlich wir Rem Koohlhaas in seiner Grafik „City of the Captive Globe“ – zu einer idealen Stadtlandschaft zusammen – zu einem Art Disneyland der Wahrzeichen.  Er mischt dabei aber anonyme Bauten darunter, ohne signifikante Prägung und Bekanntheitsgrad. Dazu kommen vergrößerte Objekte wie den Salz- und Pfefferstreuer von Wilhelm Wagenfeld,  oder das Parfumeflakon von Hugo Boss und zusätzlich fiktive, erfundene Architekturen. Das Spiel mit den Maßstäben thematisiert aber nicht nur die Praxis des „Brandens“, sondern stellt, mit der „funktionalen Skulptur“ grundsätzlich die Frage nach den Kategorien: was ist Skulptur, was ist Architektur – und die Konzeption macht deutlich, dass das alte Unterscheidungsmerkmal des Funktionalen nicht mehr gilt: useful sculpture – useless architektur – oder die autonome, ästhetische Funktion gehört heute eben auch zur funktionalen Architektur."

Dr. Markus Brüderlin, Direktor Kunstmuseum Wolfsburg,
ehem. Leitender Kurator der Fondation Beyeler, Riehen/Basel
Vortrag: ArchiSkulptur, zur Eröffnung der Ausstellung
Funktionale Skulpturen von Manfred Heinze, 14. April 2005, Düsseldorf

"Spontan und Konkret - Gestisch und Geometrisch. Diese dichotomen Gegensätze sind es, die Manfred Heinze in seinen Bildern zum Klingen bringt. Konsequent und stilsicher, mit einer großen Leidenschaft und Ausdauer erarbeitet sich der Maler und Objektkünstler seit 30 Jahren sein Thema. In seinen Arbeiten greift Manfred Heinze die Bildidee der Suprematisten und Konstruktivisten auf. Er jedoch bettet seine geometrischen  Elemente  in ein malerisches Umfeld. Seine Palette ist klar und lebendig, die Farben sind satt und stark. Ihre Intensität berauscht. Es geht Manfred Heinze um die Zusammenführung von Kategorien, die sich  eigentlich paradox zueinander verhalten: Regeln und Gesetze versus Freiheit und Unordnung oder die Natur versus menschlicher Dingwelt. Vielfach nimmt die Geometrie dabei Bezug auf die freie Abstraktion und diszipliniert sie. Dichotomie ist auch das Leitmotiv seiner Objekte und Skulpturen. Durch Verfremdung, Überarbeitung oder Platzierung in einen neuen Kontext soll auf die Diskrepanzen zwischen Schein und Wirklichkeit  hingewiesen werden. Meist sind es einfache Fundstücke, die durch die Bearbeitung in den Status der Kunst überführt werden. Die für Skulpturen typischen Materialien wie Bronze oder Eisen werden dabei meist nur vorgetäuscht."

Bettina Lukacevic, Kunsthistorikerin, Berlin
Flyertext zum Werk von Manfred Heinze, 2006

"Trotz der komplexen Fragestellungen besticht die Ausstellung durch ihre Originalität und Schlichtheit. Auf einer schiefen Grundfläche baute Heinze ein kleines Weltdorf von Sehenswürdigkeiten auf: den Eifelturm, das Empire State Building, den schiefen Turm von Pisa und das Brandenburger Tor. Daneben sind auch Modelle von Profan- und Nutzbauten Teil des Arrangements. Alle Objekte stehen, zu Untergruppen und Ensembles zusammengefügt, auf unterschiedlich hohen, weiß lackierten Holzsockeln. Diese Erhöhung gibt den einzelnen Werken eine Aura von Erhabenheit. Sind die ausgestellten Werke im Original als Kulturobjekt wichtig oder als einfaches Gebäude unbedeutend, ist ihr Erscheinungsbild als Kunstobjekt einheitlich. Heinze verfremdete sie, indem er die Holz-, Ton- oder Gusskörper mit Eisen beschichtete und mit einem Oxidationsmittel behandelt, welches sie rosten ließ."

Hanspeter Flückiger, Solothurner Tagblatt, 27. September 2006
Artikel zur Ausstellung Funktionale Skulpturen
in der Galerie Medici, Solothurn (CH)

"Manfred Heinze erreicht den Betrachter seiner subtilen Objekte durch das Spiel mit Material, Dimension und Proportion. Es geht um die Fragen: Wo ist das? Was ist das? Wie ist das? Die Objekte sind immer gleichzeitig Modell und Skulptur. Auch haben die Objekte immer eine malerische Komponente, die im Zusammenhang mit seiner Malerei deutlich wird. Dabei spielen die dem gezeigten innewohnenden Gegensätze eine große Rolle."

Ansprache von Mira Banay, Kunsthistorikerin an der OUI Academy, Tel Aviv, Israel
zur Eröffnung der Ausstellung Kollektives Gedächtnis
in der Otto-Nagel-Galerie Berlin am 4. August 2006

"Auf den ersten Blick scheinen die Arbeiten von Manfred Heinze mit zahlreichen Linien und Flächen durchsetzte, variierende Farbflächen zu sein - scheinbar keinen Gesetzmäßigkeiten unterworfene Tableaux, nur die Farbe Rot ist ein dominierendes Element. Bei längerer Betrachtung aber und dem Vergleich der Bilder miteinander werden Prinzipien deutlich, erscheinen Motive, Aufbau und Bildzusammenhänge zwar in unterschiedlichsten Variationen, aber doch strukturell ähnlich. Und schließlich kann man sich davon überzeugen, dass es gerade die Gesetzmäßigkeit ist, der sich alles unterordnen muss, seien es die Formate, von denen es nur drei gibt, die Technik oder die Bildstrukturen. Die Gesetzmäßigkeit zeigt sich beispielsweise darin, dass die Bildorganisation jeweils an ein Format gebunden ist, wodurch die Arbeiten gleichsam als Reihung erscheinen. Sie gilt für die Technik - Öl, Acryl, Graphite -, die nur in der Anwendung wahlweise von Collagen oder Tusche variiert ebenso wie für die Bildstrukturen: Der farbige, meist in verschiedenen Rottönen gehaltene Untergrund wird überlagert von fotografischen Details und Papiercollagen, so dass sich mehrere Bildebenen ergeben."

Dr. Anne Meckel, Kunsthistorikerin, Berlin
Einführung des Katalogs On Div Ummbu,
Bonn/Berlin, 2007, Manfred Heinze

"Manfred Heinze wird durch das Ornament herausgefordert. Seine Farben sind intensiv und stark, klar und lebendig. Collagenartig konfrontiert er die ornamentale Struktur des Stucks mit seinen freien und geometrischen Abstraktionen. Durch Verfremdung, Überarbeitung und Neuplatzierung schafft er eine Diskrepanz zwischen Schein und Wirklichkeit und stellt durch diese Neubewertung das eigentlich als veraltet geltende Handwerk des Stuckateurs in einen neuen Kontext. Die durch den Stuck vorgegebenen konkreten und statischen Formen werden mit spontan erscheinenden Formen konfrontiert. Die ornamentale Formung des Stucks führt Manfred Heinze zu einer Ergänzung oder sogar Abwendung von Quadrat und Rechteck. Auch sein plastisches Werk und seine Installationen sind von Stuckelementen beeinflusst. Wechselspiele und Dichotomien bilden seit mehr als 25 Jahren die Schwerpunkte in Manfred Heinzes Arbeiten. Paradox gegenüber stehende Gattungen der Malerei prallen aufeinander und werden auf ihre Gemeinsamkeiten hin untersucht. Seine kraftvolle Farbgestaltung und das Abweichen von vertrauten Strukturen bleiben dabei immer das stilbildende Element seiner Arbeiten. "

Karin Grunz, Leiterin der Galerie im Saalbau
Vorwort des Katalogs On Div Ummbu,
Bonn/Berlin, 2007, Manfred Heinze