MANFRED HEINZE
visual arts


BLOG

On this website Manfred Heinze has posted selected texts from his book »Onomatopoesia[Ahh]«
and he will post new texts about art and everything else.

(All texts are in German language only - sorry. To translate, copy the text and paste it into www.deepl.com)

Administration

Atom

2020-06-11

Leinwand

Leinwand

Eine Leinwand vorzubereiten, ist eine Tätigkeit, mit der fast jeder Maler sehr vertraut ist. Es ist eine Praxis und ein Vorgang, mit dem der Künstler den Bildträger mit seiner ihm eigenen Oberfläche kennenlernt, um auf ihr arbeiten zu können. So entsteht eine haptische und optische Beziehung, die, im wahrsten Sinne des Wortes, die Basis für seine Kunst ist. Es beginnt sodann ein andauernder Dialog zwischen dem Werk, dem Malgrund und dem Künstler. Dabei verwendet Manfred Heinze industriell oder handgefertigtes Gewebe, teils monochrom, teils mit Streifen, Karos, Patterns und Ornamenten. Dieses Vorgehen als konzeptueller Akt gleicht einer skulpturalen Schöpfung, der im weiteren Verlauf ein vollkommen in der Tradition der Malerei verwurzelter Prozess steht. In den Werken von Manfred Heinze ist die Leinwand, also das Gewebe, gleichzeitig Bildträger und Untermalung zugleich. Manfred Heinze: „Wozu ein Muster, wozu ein Ornament malen, wenn es so wundervolle Gewebe gibt, die ansonsten in der bildenden Kunst vollkommen unbeachtet bleiben?“
Aus der Ferne scheinen die Leinwände, sofern sich nicht vollständig übermalt sind und das Ornament nur schwach durchschimmert, mit präzisen Pinselstrichen gemalt zu sein. Aber die Präzision macht stutzig und schließlich lässt die für die menschliche Hand untypische Vollkommenheit erkennen, dass es sich um ein Gewebe handeln muss. Erst wenn man das Werk aus nächster Nähe betrachtet, ist zu bemerken, wie die materielle Qualität dieser gewebten Abstraktionen das Auge des Betrachters genauso täuschen, wie es sonst nur die Malerei des Trompe-l’Œil konnte. Risse, Falten, Löcher und Knicke im Gewebe sind für Manfred Heinze die Dokumentation des künstlerischen Prozesses. Das Werk zeigt durch diese Spuren den kompletten Entstehungsverlauf, der zum Ende hin den Werken einen skulpturalen Charakter verleiht. Egal ob gerahmt oder lediglich auf die Wand genagelt, und trotz des Gewebes als „Leinwand“ zeigt uns der malerische Akt von Manfred Heinze eine Variante traditioneller Malerei, und zusätzlich können wir ihre möglichen Erweiterungen erahnen.

Hans Ernst, Berlin, 2019

Admin - 08:23:57 @ Allgemein | Kommentar hinzufügen