MANFRED HEINZE
 

On this website Manfred Heinze will post selected texts from his book »Onomatopoesia[Ahh]«
(in German language only - sorry)


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2017-11-12

22. März 1988 - Kunstakademie Düsseldorf

Ich habe mich an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Gerhard Richter beworben. Vor einigen Wochen rief ich bei Richter im Atelier in Köln an. Er war persönlich am Apparat und gab mir den Termin. Bin pünktlich um 14 Uhr da. Warte zusammen mit etwa zehn Studenten auf den Meister, der dann auch bald kommt. Grauer Anzug, weißes Hemd, oberer Knopf offen, keine Krawatte. Eine einerseits zurückhaltende, fast schüchterne Erscheinung aber dennoch knistert leicht die Luft durch eine kleine Priese Charisma. Ich bin nervös. Stelle mich und meine 4 Bilder vor (00.735; 00.739; 00.740; 00.741). Richter spricht allgemein über meine Arbeit. Kurze Dialoge mit den Studenten folgen, die sich meine Werke ebenfalls genau angesehen haben. Nach etwa fünfzehn Minuten fasst Richter dann zusammen, dass meine Arbeiten zwar durchaus interessant sind, sich aber für seine Klasse aus diesen Bildern keine interessante Neuigkeit ergeben und sie im Übrigen eigentlich „zu schön“ sind. Also packe ich wieder ein, bedanke und verabschiede mich artig und gehe. Mit der Enttäuschung muss ich klar kommen, aber was heißt bitte: Meine Bilder sind zu schön. Ich will es herausfinden. Etwas später habe ich mich mit genau den gleichen Bildern ein Stockwerk tiefer in der Klasse von Ernst Kasper beworben und wurde angenommen. Ich atme akademische Luft.

Admin - 14:11:15 @ Allgemein