MANFRED HEINZE
 

On this website Manfred Heinze will post selected texts from his book »Onomatopoesia[Ahh]«
(in German language only - sorry)


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2017-11-20

50 mal 60 Zentimeter [1] (2006)

Manfred Heinze: Ich muss mit dir reden, weil ich vor ein paar Tagen eine für meine Arbeit weitreichende Entscheidung getroffen habe. Ich beabsichtige meine Formatvielfalt abzuschaffen und mich weitestgehend auf das Format 50 mal 60 Zentimeter zu beschränken.

Bettina Lukacevic: Aha!? Querformat oder Hochformat?
Querformat.

Wird es keine anderen Formate mehr geben?
Doch, doch. Es wird auch weiterhin andere Formate geben, aber nur kleiner. 30 mal 40 und 24 mal 30 für Arbeiten sowohl auf Leinwand wie auf Papier und meine Standardformat, das ich schon seit Jahren verwende von 21 mal 21 Zentimeter für meine Arbeiten ausschließlich auf Papier.

Wieso willst du dich auf dieses Format Beschränken?
Dies ist, wie viele Vorgänge meiner Arbeit eine logische Konsequenz. Eine Entwicklung die nun Reif war und ihrer Umsetzung harrte. Auslöser war die Verleihung des Turner-Preises an Tomma Abts. Ich kannte sie bis dahin nicht einmal und war sehr fasziniert zum Einen von ihrer Arbeit an sich, zu Anderen aber vor Allem von ihrer konsequenten Beschränkung auf das Format 38 mal 48 Zentimeter, das den englischen Maßen von 15 mal 19 Zoll entspricht - Tomma Abts wohnt und arbeitet in London. Der Tagesschau-Fernsehbericht vom Nikolaustag löste die Umsetzung meins verborgenen Vorhabens aus, mit dem ich mich nun schon so lange beschäftige.

Wieso dann gerade 50 mal 60 Zentimeter?
Ausschlaggebend waren zwei Bilder von diesem Jahr die ich in eben diesem Maß gemalt habe. Und ein wenig auch ein Bild, dass schon im Mai 2003 entstand. Ich fand dieses Format genau angemessen. Nicht zu groß, nicht zu klein. Ich kann dieses Format in einer konstanten Entfernung betrachten und sehe dabei sowohl die Details des Farbauftrages als auch das komplette Bild. Ich behalte den Überblick und kann mich trotzdem auf Einzelheiten konzentrieren. Eine wunderbar ruhige Art der Bildbetrachtung. Nachvollziehen kannst Du das in der Alten Nationalgalerie. Ich finde, alle mittelformatigen Bilder bis -sagen wir mal- 70 Zentimeter Breite und entsprechender Höhe vermitteln eine ungeheure Ruhe, weil bei ihnen das ständige wechseln von Distanz und Nähe entfällt. Die Detailwahrnehmung auch bei großen Bildern funktioniert eben nur bis zum Abstand des ausgestreckten Arms von zirka 80 Zentimetern. Was ich dann sowohl als Detail sehe, wie auch als ganzes wahrnehme hat eine Größe von max. 50 mal 60 Zentimeter. Mehr ist dem Auge kaum möglich zu erfassen. Bei der Überprüfung des Maßes, ob es nun wirklich genau das richtige Maß für mich ist, habe ich die Geometrie zu Hilfe genommen. Ich habe ein mit der Spitze die 50 Zentimeter Seite berührendes Fünfeck eingeschrieben und die halbierenden einer von zwei Seiten durch die Spitzen eines zweiten eingeschriebenen Fünfecks verlängert, und bin so annähernd auf die Rechteckform von 50 Mal 60 Zentimetern gekommen. Diese Format passt auch gut zu unserm Gesichtsfeld, das zwar in einem Bereich von 45° horizontal und 30° vertikal farbig wahrnehmen kann, was bei 80 Zentimeter Abstand zur Wand eine Fläche von etwa 140 Mal 80 Zentimeter Breite wäre, aber bedingt durch den engen Fokus auf die Bildmitte eine ständige Kopfbewegung notwendig macht. Bei Zirka der Hälfte des Winkels ist diese Kopfbewegung nicht mehr notwendig und ich kann die Bilddetails in Ruhe durch einfache Augenbewegungen fokussieren. Da der Blickwinkel nach Oben und Unten kleiner ist, ist es also nur logisch, dass auch das Bild nicht so hoch wie breit ist.
 
Damit verurteilst du alle Großformate in öffentlichen Ausstellungen?
Ja, mich nerven diese musealen Riesenformate. Zum Einen kann ich mich nicht genug entfernen um das gesamte Bild in Ruhe aufzunehmen, zum Anderen muss ich herantreten um Details oder die Technik zu erfassen. Was mich an diesen Maßen stört ist der Verlust des menschlichen Maßstabs. Mir ist schon klar, dass diese Bilder durch Ihre schiere Größe eine Aussage treffen und/oder eine Wirkung erzielen sollen oder wollen, dennoch möchte ich von einem Bild nicht im negativen Sinne des Wortes überwältigt werden. Dass ich mich auf ein Bild einlassen kann, dass ich darin versinke, ich es begreife und erfasse und visuell in ihm eindringen kann scheint mir nur bei entsprechender Nähe zum Bild möglich. Mit zunehmender räumlicher Distanz wird auch die geistige Distanz zwangsläufig immer größer. Da ich aber nur mit großer Distanz große Formate vollständig sehen kann, wird die Betrachtung eine oberflächliche bleiben. Will ich mehr sehen, muss ich näher herantreten, nur dann sehe ich das Detail. In diesem Augenblick aber geht mir der Überblick, also der Inhalt verloren. Ich finde auch, dass es kaum Motive gibt, die ein Großformat rechtfertigen. Gerhard Richters Bilder wirken auch im Kleinen, Sam Francis Bilder wirken im Kleinen und auch Sigmar Polkes Bilder wirken im Kleinen. Und so weiter. Der einzige Maler, der mir gerade einfällt, dessen Großformatige Bilder eine wirkliche Berechtigung haben, weil sie bewusst so angelegt sind, sind die von Mark Rothko. Seine Bilder sollen laut Aussage Rothkos wie Farbräume wirken, in die der Betrachter sich verlieren kann. Rothko will, dass der Betrachter ganz dicht bei seinen Bildern steht. Er möchte seine Bilder in möglichst engen, kleinen Räumen ausgestellt wissen, so dass der Betrachter gar keine Chance hat sie aus der Distanz zu sehen. Da seine Bilder aus Farbflächen bestehen, ist dieser Wunsch verständlich und legitim, da es gar keine Notwendigkeit gibt, die Bilder von weitem zu sehen. Der Betrachter soll in die Farbe eintauchen. Als Großformat aus der Ferne betrachtet fürchtet Rothko zu Recht, dass seine Bilder zur Dekoration verkommen.
Noch einmal zurück zu dem Überwältigenden großer Bilder. Auch wenn bei Monets Seerosen das Überwältigende fehlen würde, unter Umständen wären sie in einem überschaulichen Maße sinnlicher. Jetzt wo ich es sage: Überschaulich. Das ist das Wort nach dem ich die ganze Zeit suche. Wenn etwas überschaulich ist impliziert das ja schon, dass größeres nicht mehr zu überschauen ist. Aber auch die Worte Erfassen und Begreifen, die ich gerade zwar inhaltlich gemeint habe, die aber von ihrem Ursprung her von der räumlichen Reichweite des Menschen herrühren zeigen, dass das Erkennen von Dingen auch mit der Nähe zu ihnen zu tun hat. Das möchte ich auch bei meinen älteren Arbeiten überprüfen und gegebenenfalls ändern.
 
Was willst du ändern? Die Formate der älteren Bilder?
 Soll das heißen, dass du alle älteren Bilder ändern willst? Bist du Wahnsinnig?
Dass das so wahnsinnig ist sehe ich nicht. Einige Gründe dafür habe ich ja bereits angeführt, auf die Anderen komme ich gleich zu sprechen. Ich werde nun vollziehen, was ich schon lange mit mir herumschleppe. Wenn ich bereits damals mich dazu entschlossen hätte nur noch im Format 50 mal 60 zu arbeiten, gäbe es heute auch keine Großformate und alle würden mein konsequentes Handeln loben. Ich kann nicht erkennen, warum ich diese, wenn auch späte Einsicht, jetzt nicht umsetzen sollte. Nur weil eventuell das eine oder andere vielleicht doch gelungene Großformat dabei auf der Stecke bliebe? Sieh es positiv: Es werden viele neue Bilder entstehen, die eine Brücke zwischen den Arbeiten, sagen wir aus den achtziger Jahren und Heute bilden werden. Es ist vielleicht ungewöhnlich, dass ich mit einer solchen Idee auch meine bereits bestehenden Werke verändern will. Ich könnte sie ja auch so lassen. Aber ich verspüre das Bedürfnis mein komplettes Werk in dieses Schema zu pressen, da ja auch alle früheren Arbeiten von dem Problem betroffen sind, dass sie meiner Meinung nach zu groß sind. Da ich alle alten Arbeiten fotografisch dokumentiert habe, werden die einstigen Bilder auch nicht spurlos verschwinden. Es wird sich immer feststellen lassen, ob das einstige Bild vernichtet wurde oder als neues Bild in einem anderen Format weiter lebt.

Ich weiß noch nicht so ganz, ob ich angesichts eines solchen Vorhabens begeistert oder erschüttert sein soll. Bitte erkläre und begründe mir das noch ein wenig besser.
Seit ich meine ersten Großformate 1985 gemalt habe, die damals für eine Ausstellung im Wilhelm-Lehmbruck-Museum in Duisburg entstanden, also seit über zwanzig Jahren quäle ich mich damit herum, dass ich diese Formate nicht für angemessen halten. Ich war damals mächtig stolz, in einem derart renommierten Museum mit solchen Großformaten zu hängen, keine Frage. Aber den Leidensdruck beim Malen verspürte ich. Dass hat sich auch nicht geändert, als ich dann überwiegend Bilder mit etwa einem Meter Seitenlänge malte. Auch diese schienen mir noch recht groß zu sein. Aber ich hatte das Gefühl, für einen imaginären Markt auch große Formate malen zu müssen, um anerkannt zu werden. Reichlich naiv, wie ich heute feststellen muss. Mir fehlte ganz einfach das Selbstbewusstsein, mich auf ein Format zu beschränken. Heute besitze ich dieses Selbstvertrauen und die Unabhängigkeit dieses lang ersehnte und aus meiner Sicht notwendige Vorhaben umzusetzen. Also werde ich es tun.

Ein wenig sorge bleibt aber dennoch. Werden wirklich alle Großformate Opfer der Überarbeitung?
Der Revision. Ich werde die Überarbeitung Revision nennen. Alle ursprünglichen Bildtitel bleiben so wie sie sind und erhalten den Zusatz Revision in Klammern. Aber natürlich werden nicht alle Großformate Opfer der Revision. Außen vor sind sowieso die Bilder, auf die ich kein Zugriff mehr habe. Alle anderen, die sich noch im meinem Besitz befinden werden sich einer strengen Prüfung unterziehen müssen, ob sie es erstens noch Wert sind überhaupt in meinem Archiv zu stehen, und zweitens ob sie sich dieser Revision unterziehen müssen. Ich werde also diese Gelegenheit auch dazu nutzen schlechte Arbeiten auszusortieren. Es kann also vorkommen, dass das eine oder andere Großformat überleben wird. Wobei ja ein Großformat durchaus auch zwei oder drei optische Zentren haben kann. Unter Umständen muss ich es bei jemandem vor mir selbst in Sicherheit bringen.
 
Du erwähntest noch andere Gründe. Welche sind das?
Es gibt eine Kernaussage in jedem Bild. Diese zu erfassen ist nicht immer schwer, und es fällt oft auf, dass so manches Mal das Drumherum nicht anderes als ein individuelles Passepartout ist. Wobei der Name Passepartout in diesem Zusammenhang natürlich völliger Quatsch ist, weil dieser Rand nur bei diesem einen Bild passt und er ja bei der Entstehung dazu gedacht und gemalt worden ist. Dennoch ist es auch ein Drumherum und unter Umständen nicht zwingend notwendig. Insofern lässt sich Deine Frage nicht direkt beantworten. Das wird sehr unterschiedlich sein. Natürlich gibt es Bilder bei denen es nicht so ist und die Komposition zwingend bis zum vorhandenen Rand geht, aber selbst bei diesen Bildern ist ja durchaus auch ein anderer Ausschnitt denkbar. Ob dieser dann die Bildaussage verfälscht und die ursprüngliche Intention konterkariert muss im Einzelfall geklärt werden. Wenn ich mir ein Bild von Sam Francis ansehe, bei dem der eigentliche Farbauftrag, und damit wesentliche Kompositionselemente, unmittelbar am Rand befinden, dann ist in diesem Fall klar, dass ich hier nichts isolieren kann. Ein Ausschnitt aus der Mitte würde nichts als die weiße Leinwand zeigen, ein Ausschnitt vom Rand würde halt nur eine malerische Geste an einem Rand zeigen. Die Intention der leeren Mitte wäre dadurch natürlich vernichtet und die Ausschnitte nicht auch nur annähernd das was das ursprüngliche Bild zeigte. Aber auch Sam Francis Bilder funktionieren ja noch bei kleinen Formaten. Ich möchte bei meinen Bildern einfach untersuchen, ob ich meine ursprüngliche Komposition auf das Maß 50 mal 60 Zentimeter reduzieren kann, und dennoch ein aussagekräftiges Bild behalte, dessen Komposition zwar verändert ist, nicht aber zerstört. Ich bin mir völlig darüber im Klaren, dass die verkleinerten Bilder andere sein werden als die, die ich einst gemalt habe. Viele vielleicht sogar besser als vorher. Aber es werden oftmals Überarbeitungen notwendig werden, um wieder eine geschlossene Komposition herzustellen. Und zwar so, dass am Ende wieder ein Heinze dabei heraus kommt. Demnach entstehen im Grunde zwar völlig neue Bilder auf der Grundlage alter Fragmente, ein wenig Collage, ein wenig wie das sampling in der Musik, so kommt mir das vor, aber dennoch sollen sie sich sowohl in meine Werkgruppen einfügen wie auch zu meinem gesamten Oeuvre passen.

Welche Wirkung versprichst du dir davon?
Ich möchte, dass meine Bilder sinnlich und meditativ sind. Ich wünsche das Eindringen ins Motiv über das Detail und mit dem Detail. Ich möchte dass das Bild sowohl im Detail als auch insgesamt in einem gemeinsamen Prozess erfasst werden kann. Ich möchte die Einheit, die Gleichzeitigkeit und die Unmittelbarkeit des Kriterienpaketes von Bildaussage, Botschaft, Inhalt und Konzept mit dem Detail.

Du sagst, deine Entscheidung war eine logische Konsequenz. Worin liegt diese Logik?
Ich bemühe mich seit langem Dinge und Abläufe in meinem Leben zu standardisieren. In vielen Bereichen habe ich alle Varianten abgeschafft. Meine Kleidung zum Beispiel: Ich besitze nur einen Typ Socke, aber davon 20 oder 30 Paar. Alle die gleiche Größe, alle schwarz. Ich besitze nur einen Typ Unterhosen, einen Typ T-Shirts, einen Typ Strickjacke und nur einen Typ Jeans. Auch in anderen Bereichen liebe ich diese Kontinuität und Wiedererkennbarkeit. Mir gefällt an den Filmen von Woody Allen, dass sie seit Jahrzehnten immer mit derselben Art Vorspann anfangen: Weiße Schrift auf schwarzem Grund. Dieses Vorgehen verströmt sehr viel Verlässlichkeit. Wenn ich selbst eine solche Kontinuität anwende, gibt es mir ein gutes Gefühl von Sicherheit. Beim Grafikdesign spricht man auch von Corporate Identity, nach Außen getragene Wiedererkennbarkeit. Sehr wichtig für regional und global aufgestellte Unternehmen. Kannst Du Dir McDonald ́s mit unterschiedlichem Erscheinungsbild in jeder Stadt vorstellen? Meine Kataloge, zumindest die, auf die ich Einfluss hatte, haben ein identisches Format und das Layout ist immer gleich.

Hat das auch direkt etwas mit der Arbeit von Tomma Abts zu tun?
Ich kannte Tomma Abts wie gesagt bis zu dem Tagesschaubericht am 6. Dezember nicht. Also kann es nichts mit ihr direkt zu tun haben. Mir gefällt nur wahnsinnig diese Stringenz. Dafür wird Tomma Abts mit Sicherheit ein Vorbild sein. Wenn Du diesen Bezug meinst, dann hat es natürlich auch mit ihr zu tun, aber genauso viel wie mit allen anderen die diese Beschränkungen vorleben.

Hat diese Beschränkung weitere Konsequenzen?
Inhaltlicher Art oder technischer Art?

Inhaltlicher.
Nein, eigentlich nicht. Es gilt das, was ich neulich in einem Interview mit Hans Ernst zum Thema Ornament erzählt habe. An meiner Beschäftigung mit Gegensätzen und Dichotomie wird sich so schnell nichts ändern. Aber ich will inhaltlich komplexer arbeiten. Dichter und vielschichtiger als bisher.

Und technischer Art?
Ach, das ist fast uninteressant. Es vereinfacht logistisch vieles. Weniger Platzbedarf, weniger Transportprobleme und so weiter. Aber das ist wirklich sekundär. Diese Ersparnisse werden auch durch einen höheren Aufwand zugunsten der Materialqualität wieder wettgemacht.

Wie verändert sich die Materialqualität?
Ich will höherwertige Materialien verwenden und ich will mir mit dem einzelnen Werk mehr Zeit lassen.

Was für höherwertige Materialien sollen das sein?
Ich verwende seit einiger Zeit eine Acrylfarbe höchster Pigmentierung, die auch etwas pastoser ist. Auch will ich neben der Leinwand als Bildträger andere Untergründe ausprobieren. Früher habe Maler, die ein besonders stabiles Bild fertigen wollten, Kupfer auf Holz befestigt und das Kupfer grundiert. Diese Maler würden heute wohl die wunderbaren Aluminium- oder Kupfer-Verbundplatten zurückgreifen. Das will ich auch, aber nur eingeschränkt, denn hauptsächlich will ich ein Zurück zur Malerei auf Kupfer auf Holzplatte ausprobieren.
Ich habe dazu Kupferplatten aus den Niederlanden bestellt und werde die auf massive Eicheplatten befestigen. Die Bilder werden dann mit etwas Abstand zur Wand aufgehängt. Für museale Ausstellungen können auch die Ränder sichtbar bleiben, aber es ist auch möglich, die Bilder zu Rahmen.

Eiche?
Eiche ist ein sehr geeignetes Holz. Hochwertig, stabil und es hält ewig. Außerdem verwende ich es in einer sehr Formstabilen Ausführung als Stableimholz. Dabei werden mehrere massive Eichenhölzer in Stäben zu Platten verleimt. Die einzelnen Stäbe sind dabei untereinander verzahnt.

Du sagtest, du willst auch auf Alu-Dibond malen. Wie werden diese Bilder präsentiert? So wie es zur Zeit gerade schick ist bei Fotos: Die dünnen Platten mit Abstand zur Wand? Das erinnert mich immer an die unselige Zeit der rahmenlosen Bilderhalter aus Glas.
Die großen Dibond-Arbeiten im Format 50 mal 60 Zentimeter werden gerahmt. Eventuell auch hinter Glas mit Rahmen. Kleinere Arbeiten sehen aber wirklich besser frei schwebend vor der Wand aus. Für diese kleinen Formate kann ich Deine Bedenken nicht teilen.

Für die kleinen Formate mag das ja stimmen, aber bei großen Formaten geht das nicht.
Ja, da hast Du recht.

Es bleibt also bei der Dichotomie als übergeordnetem Thema, und deine geometrisch abstrakten Elemente der Malerei werden ornamentaler. Woher stammen diese Ornamente und wie überträgst du sie auf deine Bilder?
Die Ornamente, also graphische Ornamente werden sich, so wie ich es bisher geplant habe, auf die Arbeiten beschränken, die nicht auf Kupfer gemalt sind. Für die Arbeiten auf Kupfer werde ich mich mit dem Bereich des architektonischen Ornaments beschäftigen. Das heißt, es geht um Stuck und um andere bauliche Verzierungen. Das können auch schmiedeeiserne Gitter oder ähnliches sein. Auch die freie Abstraktion wird sich hin und wieder in organische Motive verwandeln. Also Blätter, Gräser und so weiter. Aber wie gesagt: Es bleibt bei dem Themenkomplex der Opposition, und der insgesamt eher abstrakten Malerei mit einigen gegenständlichen Elementen.

Wie wird der Stuck auf Deinen Bildern in Erscheinung treten?
Ach ja, noch eine Neuerung. Die Ornamente und der Stuck werden als Fotos oder Ausdrucke oder als Kopien in die Bilder eingearbeitet. Also eine Mischung aus Malerei und Collage. Also: Combine Painting.

Haben diese Entwicklungen auch Einfluss auf Dein plastisches Werk?
Ja, ich denke schon. Ich will versuchen, die Bildelemente der Malerei mit Objekten umzusetzen. So will ich beispielsweise Stuck mit Pflanzen in Beziehung setzten. Ich könnte mir vorstellen, dass Stuck eine große Rolle in meinen künftigen Arbeiten spielen wird.

Ich habe das Gefühl, für Deine Arbeit vollzieht sich einerseits gerade eine große Umstellung - es beginnt eine neue Phase - andererseits sehe ich Kontinuität und Entwicklung. Empfindest Du das auch so?
Ja. - Eindeutig ja. Ich fühle eine gewisse Euphorie angesichts meiner Beschränkungen und Festlegungen. Das eröffnet mir ein ungeheueres Potential an Energie und vor allem an Motiven. Ich habe schon Sorge, dass mir dabei die Titel ausgehen.

Du verwendest doch oft eine Nummerierung als Titel. Die Zahlen werden Dir wohl nicht ausgehen.
Außer den Werkverzeichnisnummern habe ich Zahlen nur selten als Titel verwendet. Auch die Bezeichnung “Ohne Titel” mag ich nicht so gerne, obwohl manchmal unumgänglich. Ich habe mich dazu entschlossen, allen künftigen Arbeiten einen fiktiven Namen als Titel zu geben. Das passt mir gut mit den Inhalten der Arbeiten zusammen, den ich auf diese Weise ebenso der Phantasie überlasse.

Was sind das für Titel und woher kommen sie?
Die ersten Bilder die ab Januar 2007 entstehen werden Titel wie etwa Hukusnne, Qaldu, oder Jovot tragen. Die Titel generiere ich aus einer Reihe von Buchstaben, die ihrerseits durch einen Zufallsgenerator ausgewählt wurden. Dadurch ergeben sich Titel, die meist nichts weiter aussagen. Es kommt allerdings auch vor, und das habe ich bei ersten Testläufen festgestellt, dass die Titel einem Wort einer fremden Sprache gleichen. Aber diese Übereinstimmungen will und kann ich nicht immer überprüfen. Auch wenn ich mich dabei der Gefahr aussetze, ein Tabuwort einer fremden Sprache zu erwischen. Auch unterscheiden sich die Titel untereinander. Für Arbeiten auf Kupfer oder Leinwand nehme ich nur Titel die mit Vokalen beginnen. Die übrigen Arbeiten tragen Titel die mit Konsonanten beginnen und meine Objekte bekommen Titel, die aus einem Bindestrichwort mit je drei Buchstaben bestehen, also zum Beispiel: Zvj-Jot oder Iru-Bov. Aber diese Einteilung soll mehr der internen Zuordnung dienen als der allgemeinen Orientierung.

Auf eine Ausstellungssituation in der großformatige Arbeiten gefragt sind kannst Du nun aber kaum noch reagieren. Ist das ein Problem?
Sofern ein Raum nach größeren Formaten verlangt, stelle ich mir vor, dass ein kleines Bild auf einem farbigen Hintergrund, der sich von der eigentlichen Wand abhebt, das richtige Mittel ist. Ich gestalte somit den Raum mit einer farbigen Fläche, die ein Bild in ihrer Mitte präsentiert, auf das ich mich als Betrachter konzentrieren kann. Die farbige Wand wird somit zum Passepartout für das eine Bild. Und dieses Passepartout gefällt mir deutlich besser als ein als Bild gemaltes Passepartout, so wie ich es vorhin beschrieben habe. Einen musealen Ort mit Großformaten zu bestücken wäre demnach kein Problem. Dabei löse ich gleichzeitig das Dilemma des Hin und Her des Betrachters bei Großformaten. Der Betrachter könnte sich nur auf das überschaubare Bild konzentrieren und die farbige Wand Schutzraum um das Bild herum wahrnehmen. Aber auch eine Art Installation als Großformat ist denkbar, in der ich meine Bilder arrangieren kann. Dazu will ich die Wand großzügig mit Stuckleisten gliedern, was den gegenständlichen Elementen meiner Dichotomiebilder entspricht. Ähnlich der Wandspiegel in Schlössern werden sich also rechteckige Flächen auf der Wand abzeichnen, die mit besagtem Stuck begrenzt sind. Die Flächen zwischen dem Stuck will ich mit Farbe oder Tapete gestalten. Auf dieser Fläche hängt dann das Bild wieder mittig. Um die Installation noch dreidimensional zu erweitern, könnte ich mit Pollern und Kordeln die Fläche vor dem Bild absperren - ähnlich einer Sicherheitsabsperrung vor wertvollen Gemälden. Auf diese Weise wird der Raum und die Wand gegliedert und vollständig in die Arbeit einbezogen. Für eines meiner 50 mal 60 Zentimeter Bilder kann die so gegliederte Wandfläche durchaus auch mal 2,50 mal 4,00 Meter groß sein. Wenn ich zwei Bilder auf einer solchen Fläche hängen will, kann die Fläche auch über 5 Meter breit sein. Dieses Vorgehen bewirkt auch, dass je Ausstellung weniger Bilder zu sehen sein werden und so die Ausstellung nicht überfüllt wirkt.

Dazu könnten dann auch die Objekte passen, die du vorhin beschrieben hast.
Wenn eine Gemäldeausstellung so konzipiert ist, wären bei ausreichend großen Räumen Objekte eine gute Ergänzung. Die Objekte im Raum, die Absperrungen vor den Bildern und die Wandgestaltung mit den Bildern würden eine in sich geschlossene Einheit bilden.

Wann wird das Kupfer aus den Niederlanden eintreffen?
Ich hoffe in der dritten oder vierten Kalenderwoche.

Na, dann viel spaß bei der Arbeit.
Danke. Ich melde mich, wenn ich erste vorzeigbare Ergebnisse habe.

Admin - 14:50:19 @ Allgemein