MANFRED HEINZE
 

On this website Manfred Heinze will post selected texts from his book »Onomatopoesia[Ahh]«
(in German language only - sorry)


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2017-11-20

»Du Pinsel« (2003)

»Du Pinsel« nannte der Künstler und Kunstlehrer Rolf Binder rau aber herzlich seine Zöglinge, so auch mich. Er weckte in mir die Begeisterung für Gestaltung und Farbe.
Zwischen 1972 und 1976 erweiterte sich mein jugendliches Interesse auf die technische Zeichnung. Fasziniert war ich von der Präzision der Darstellung und der Imagination einer dritten Dimension.
Die Liebe zur Malerei brach 1977 heraus. Ich wollte mich mit echter Kunst umgeben, verbannte allen Kitsch und sah mich nach Graphiken und Gemälden um. Anstatt aber Werke anderer Künstler zu kaufen, entstand im September 1977 ein eigenes Bild, das ich zu meinem ersten Kunstwerk erklärte.
Als Sohn eines ordentlichen Kaufmannes, begann ich recht bald mit der photographischen Archivierung aller Werke.
Bis 1983 waren die ersten Jahre geprägt von Experiment und Findung. Aus anfänglich thematischen Bildern entwickelte sich im Laufe der Zeit eine abstrakte Bildsprache. Es zeichnete sich ein bevorzugtes Thema ab, das ich mit Hilfe des Mülheimer Künstlers Eric Melzer wie folgt formulierte: freie Abstraktion im Spannungsverhältnis zur Geometrie. Hier treffen sich Malerei und eine reduzierte Interpretation der technischen Zeichnung.
In den Jahren 1981 bis 1989 genoss ich ein Architekturstudium, das ich für mich äußerst künstlerisch auffasste. In dieser Zeit entstanden viele Gemälde mit Querverweisen zur Architektur sowie architektonische Entwürfe mit skulpturalem Charakter. Die Abschlussarbeit, ein Museumsentwurf für die Akropolis in Athen, glich eher einem Kunstobjekt und wurde unter anderem mit Hilfe von Gemälden präsentiert.
In dieser schaffensreichen Zeit entstanden über 1000 Werke, davon viele als Arbeiten auf Papier oder Pappe. Einzel- und Gruppenausstellungen, Kunst-, Zeichen- und Malunterricht bei verschiedenen Künstlern, ein Fernstudium an der Neuen Kunstschule Zürich sowie ein Zweitstudium an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf drängten sich in diesen Jahren.
Nach 1989 stellte sich die Frage, wie mit Kunst Geld zu verdienen sei. Ein auf den Entwurf ausgerichtetes Architekturbüro war die Lösung für die nächsten 12 Jahre. Parallel dazu entwickelte sich die Malerei. In den 90er Jahren entstanden viele wichtige Werke, jetzt aber überwiegend auf Leinwand. Die Bilder blieben auch weiterhin der Wechselwirkung zwischen gestischer Malerei und Geometrie treu, sie wurden aber zunehmend komplexer und farbiger. Der Verkauf von Gemälden nahm sprunghaft zu, so dass auch wirtschaftlich die Malerei zum Einkommen beitrug.
Zwischen 1989 und 2000 intensivierte ich die Arbeit innerhalb von künstlerischen Organisationen. Als Mitglied der Interessengemeinschaft Duisburger Künstler und der freien duisburger künstler e.v. ergaben sich viele Ausstellungen. Auch vermischten sich Kunstpräsentationen mit der Architektur und umgekehrt. Die künstlerische Beschäftigung mit der Architektur gipfelte in der Mitgliedschaft im Kuratorium der Stiftung Deutscher Architekten, dem ich vier Jahre verpflichtet blieb. Für die Stiftung war ich in dieser Zeit auch als Dozent für Entwurf tätig.
In den Jahren von 1997 bis 2001 geriet durch die zunehmende Präsens des architektonischen Wirkens die Malerei etwas in den Hintergrund. Es entstanden nur sehr wenige neue Werke. Im Jahre 2002 schließlich stellte ich meine Beschäftigung mit der Architektur vollständig ein und widme mich seitdem ausschließlich der Malerei.
Im September 2002 waren es nun 25 Jahre her, dass die Malerei begann mein Leben zu bestimmen. Doch warum?
Meine Malerei ist das Ergebnis von Schaffensdrang hervorgerufen durch die Sehnsucht nach Hinterlassenschaft; die Produktion von Erbmasse. Jedes Bild ist ein geschuldetes Werk ohne Auftraggeber und es repräsentiert die Idealvorstellung der selbstbestimmten Arbeit.
Zu Beginn eines Bildes kenne ich kein Ziel, bis ich nicht den Prozess des Malens für beendet erklärt habe. Die Titel der Bilder ändern sich phasenweise. Mal tragen die Bilder ausschließlich Nummern, dann folgt der Titel streng den sichtbaren geometrischen Elementen im Bild in der Reihenfolge ihres Erscheinens von links oben nach rechts unten und schließlich tragen die Bilder Titel, die nichts Erkennbares im Gemälde bezeichnen. Generell obliegt es dem Betrachter, Inhalte zu sehen, die ich nicht beabsichtigt habe. Denn ich habe kein Anliegen und keine Absicht. Ich will nichts verdeutlichen und nichts in Frage stellen. Ich mag keine gegenständlichen Darstellungen und auch nicht deren Abstraktion. Ich will in meinen Bildern keine mathematische Logik, aber auch kein Chaos. Ich will nichts verändern, nichts anstoßen. Ich habe ein Thema und mache damit ein farbiges Angebot - mehr nicht.
Seit nunmehr zwanzig Jahren arbeite ich an einem einzigen Thema, dass mich nach wie vor fesselt und dessen Vielfalt und Wechselwirkungen mich inspirieren und mir Motivation für meine künstlerische Arbeit sind. Zu der in meinen Werken dominierenden eckigen Formen, ist durch die Bildserie Kaiser Justinian von 2002 das Kreissegment hinzugekommen. Den Kreis als Bildformat habe ebenfalls 2002 eingeführt. Wohin das wohl führen wird?

Admin - 14:14:27 @ Allgemein