MANFRED HEINZE
 

On this website Manfred Heinze has posted selected texts from his book »Onomatopoesia[Ahh]«
and he will post new texts about art and everything else.

(All texts are in German language only - sorry)

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2017-12-20

8. November 2016

Ich plane, mein eigenes Museum zu gründen. Es wird “Museum-Manfred-Heinze” heißen, und es wird ein sehr ungewöhnliches Museum.
 
Was tun mit all den Werken, wenn es den Künstler nicht mehr gibt? Soll der Nachlass in einer Kammer Verrotten? Soll der Nachlass auf dem Sperrmüll landen? Fragen, die sich wohl jeder Künstler stellen wird, wenn ihm klargeworden ist, dass er jahrzehntelang auch jede Menge Erbmasse produziert hat, die so manches Mal nicht einmal das Lager des Künstlers verlassen hat. Von all den hunderten oder gar tausenden Werken, die zu Lebzeiten nicht verkauft werden konnten oder sollten, sind unter Umständen viele bislang unentdeckte Meisterwerke verborgen (zumindest nach eigener Einschätzung). Um sie dauerhaft zu sichern gibt es nun mehrere Möglichkeiten: 
1. Die Familie ist derart kunstaffin, dass es überhaupt kein Problem sein wird, den Nachlass angemessen zu bewahren, zu verwalten oder zu vermarkten. 

2. Eine staatliche Nachlassverwaltung oder -institution nimmt sich (gnädiger Weise, weil die Depots sowieso schon überquellen) des Werkes an und alles verschwindet auf Jahrzehnte in Kisten und Kartons in Stahlregalen hinter leicht feuchten Wänden, weil der Staat oder das Land kein Geld für die künstlerischen Werte seiner Bevölkerung hat. 

3. Eine Galerie oder die Galerie des Künstlers kümmert sich rührend oder nachlässig um die Werke. Darin eingeschlossen sind natürlich nicht die Skizzen, Dokumente und Drucksachen des Künstlers - und die vermeintlich unverkäuflichen Werke - das macht nur Arbeit und bringt nichts. 

4. Ein eng mit dem Künstler verbundener Freund, Kollege oder Bekannter nimmt sich dem Nachlass an und kümmert sich um den Erhalt - gut oder schlecht, wer weiß das schon? 

5. Die Stadt, ein Sammler oder der Künstler selbst gründen ein Künstlermuseum, das den kompletten Nachlass, einschließlich aller Schriftstücke, digitaler Dateien, Skizzen, unvollendeten Werken und aller anderen Materialien. Das Museum behütet nicht nur das Werk, es macht es natürlich auch der Öffentlichkeit zugänglich und ermöglicht oder betreibt die lückenlose kunstgeschichtliche Aufarbeitung. Es erstellt ein möglichst lückenloses Werkverzeichnis inklusive aller Fotos zu den Werken, es pflegt alle vergangene und zukünftigen elektronischen Daten. Und, sofern notwendig, werden die Werke restauratorisch behandelt.
 
Die Lösung für mich ist also der Punkt 5.: “Das Künstlermuseum”.
 
Zunächst einmal zu der Besonderheit des Museums, die ich bereits 1985 (?) formulierte und damals auch in einer ersten Ausstellung testen konnte: Das Museum wird nicht begehbar sein und an 24 Stunden an 365 Tagen geöffnet haben. Es wird kein Eintrittsgeld verlangt und kein Museumswärter wird auf einem Stuhl in der Ecke hocken müssen. Das Museum wird alle Werke sicher hinter Glas präsentieren, und dennoch werden alle Werke auch im Detail gut zu betrachten sein. Der Museumsbesucher wird zwar nicht im Regen stehen müssen, aber im Sommer kann es heiß und im Winter kalt werden. Das Museum wird ein, wie ich es als Arbeitstitel nenne, “Schaufenstermuseum” (den dauerhaften Begriff muss ich noch einmal gut überlegen: Fenstermuseum: Geht nicht, ich zeige ja keine Fenster, Schaufenster ja eigentlich auch nicht. Outdoor-Museum: Möglich aber komisch. Nicht-begehbares-Museum: Klingt negativ. 24/7-Museum: Klingt interessant, aber was soll man sich darunter vorstellen? Ein Museum, das immer geöffnet hat? Ja, schon, aber… Immerhin eindeutiger als alle anderen Begriffe. Vielleicht sollte ich es als Gattungsbegriff vorläufig ein 24/7-Museum nennen.
 
Zur Realisierung des Museums sind verschiedene Stufen vorgesehen. 
1. Stufe: Das Museum hat noch keine eigenen Räume und hat erst einmal nur virtuell im Internet seinen Auftritt. Wobei die Seite von Beginn an so angelegt ist, dass auch die späteren Räume sofort dokumentiert werden können. 

2. Stufe: Der erste eigene Museumsraum wird ein gemietetes Schaufenster oder eine Vitrine. Die Dimensionen werden bescheiden sein und es wird erkennbar eine vorübergehende Lösung sein. 

3. Stufe: Mehrere zusammenhängende Fenster oder mehrere Vitrinen bilden ein “Gebäude”, bei dem man schon einmal eine Ahnung davon bekommen kann, wie es später in groß einmal sein könnte. Neben angemieteten Fenstern kommt auch ein bescheidener, selbst entworfener Neubau in Betracht. 

4. Stufe: Das New Yorker Architekturbüro Richard Meier plant für mich ein neues 24/7-Museum. Als stand alone, also ohne weitere Nutzungen, oder als Hybrides Gebäude mit angehängter Wohn- oder Geschäftsnutzung. 
Das Museum soll über eine Vielzahl von Fenstern verfügen, die räumlich angeordnet sind und dem Besucher durch ein Dach oder Vordach ausreichenden Witterungsschutz bieten. Es soll einen attraktiven offenen Eingangsbereich haben, der der Architektur Richard Meiers entsprechend eine pavillionartige, skulpturale Gestalt hat. Es verfügt hinter den Fenstern-Räumen über Technik- und Lagerräume und ist unter Umständen klimatisiert. Das in den Nachtstunden die Werke beleuchtet sind, versteht sich aus dem zuvor beschriebenen von selbst. Träger des Museums bin in der Anfangsphase ich selbst, später dann meine Stiftung. Alle Posten des Museums, vom Direktor bis zum technischen Mitarbeiter, übernehme ich anfangs selbst, die Besetzung zu einem späteren Zeitpunkt muss abgewartet werden. 
 
Museum, grundsätzliche Idee: 24/7-Museum
 
Realisierungsschritte:
1. Virtuelles Museum im Internet (ist ja auch ein 24/7-Museum) mit einigen ausgewählten Werken aus dem Museumsdepot. Die Seite ist für das spätere physische Museum vorbereitet. Sie ist aber auch zugleich leicht ironisch angelegt, was den eigentlichen Museumsbetrieb anbelangt.
 
2. Die ersten echten “24/7-Museumsräume” werden kostengünstig angemietet. Schaufenster, Vitrine, o.ä. sind dafür geeignet (wie Galerie Oranienstr. Berlin, Vitrine Otto-Nagel-Galerie, Berlin, Vitrine Claudia Grundei, Botanischer Garten, Duisburg, usw.). Für den Beginn reicht ein/e Fenster/Vitrine.
 
3. Evtl. größere Fensteranlage.
 
4. Evtl. Eigenentwurf für mehrere Fenster.
 
5. Entwurf aus dem Büro Richard Meier, NYC für ein eigenes Museum (evtl. mit anderen Nutzungen wie Wohnen oder Gewerbe verbunden).
 
Der Bestand an Kunstwerken für das M-M-H. wird fortlaufend festgelegt. Arbeiten können erst mit einem Abstand von 5 Jahren in den Museumsbestand aufgenommen werden. Alle Werke im Bestand des Museums sind unverkäuflich! Die Aufnahme beginnt mit dem Werk 00.001. Ausgewählte Werke werden “restauriert”, evtl. gerahmt oder in Archivmappen verwahrt, im Werkverzeichnis gekennzeichnet und erhalten einen M-M-H.-Depotaufkleber. Sobald das M-M-H. ein vorzeigbares Haus hat, wird die Aufnahme in Museumsorganisationen, Listen, Verzeichnissen und offiziellen Veröffentlichungen der Stadt OS angestrebt.
Träger des M-M-H. ist vorläufig Manfred Heinze, später dann eine noch zu gründende Stiftung für das Museum.
 
STIFTUNG:
Es soll eine Stiftung M-M-H. entstehen. Die Stiftung hat die Aufgabe das Werk von M.H. zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Außerdem ist es für die historische und kunstgeschichtliche Aufarbeitung des Werkes von M.H. verantwortlich, sowie die Lizenzvergaben, die Urheberrechtskontrollen, und die Herausgabe von Publikationen.
   Mit Einrichtung der Stiftung ist zunächst als Anfangskapital soviel einzuzahlen, dass der Museumsbetrieb (Web, Miete, BK, Verwaltung) finanziert werden kann. Als Sachwerte werden die bis dahin gelisteten Werke des Depots des M-M-H. eingebracht. Die übrigen Werke bleiben bis zum Ableben von M.H. in dessen Besitz und gehen danach in den Stiftungsbesitz über (Ausnahme: Alle Angehörigen können sich in der Reihenfolge nach dem Erbschaftssteuergesetz, aus dem Nachlass bis zu 10 Werke für sich privat aussuchen). Die Stiftung wird zunächst von M.H. geleitet und verwaltet. Angehörige sollen frühzeitig in die Stiftung eingebunden werden. Für die Gründung der Stiftung wird ein mögliches Erbe zugunsten von M.H. abgewartet und sie erfolgt über einen erfahrenen Anwalt/Notar in Absprache mit einem Steuerberater. Wie die externe Kontrolle der Stiftung zu erfolgen hat, klärt das Stiftungsrecht.

Admin - 10:59:10 @ Allgemein