MANFRED HEINZE
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On this website Manfred Heinze has posted selected texts from his book »Onomatopoesia[Ahh]«
and he will post new texts about art and everything else.

(All texts are in German language only - sorry. To translate, copy the text and paste it into www.deepl.com)

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2021-05-11

Das Dullistische Manifest

Das Dullistische Manifest und die Eigenschaften der Künstler des Dullismus
[dull (eng.) = öde, langweilig]

• Der Dullismus

1. Der Dullismus ist ein metakünstlerisches Konzept.

2. Der Dullismus kann alle anderen Ismen umfassen und/oder überdecken.

3. Der Dullismus ist keine Modeerscheinung und kein Übergang. Der Dullismus ist das Ende der Aufregung, Entschleunigung und die meditative Entspannung der Kunstpraxis und der Kunstrezeption.

4. Der Dullismus vereint eigentlich unvereinbaren Kunstrichtungen. Der Dullismus neutralisiert künstlerische Hektik und den Aktionismus des Kunstbetriebes. Der Dullismus ist im positiven Sinne öde, langweilig, eintönig, langsam, ruhig, unaufgeregt. Und da unsere Welt immer digitaler wird, befriedigt der Dullismus die Sehnsucht nach dem Analogen.

5. Der Dullismus ist nicht revolutionär, sondern evolutionär. Er hat alle negativen Einflüsse der Reizüberflutung der kunstaffinen Gesellschaft überwunden.

6. Beispiele für dullistische Kunst sind die monochrome Malerei, ornamentale und repetitive Kunst, Minimalismus, konkrete Kunst (außer Op-Art), und so weiter. Beispiele für Künstler des Dullismus sind: Niele Toroni, Peter Roehr, Daniel Bueren (zumindest solange er nur Streifen malte), On Kawara, Peter Dreher, Donald Judd, Franz Gertsch (vor allem die großen Holzschnitte mit Wasser oder Gräser), Yayoi Kusama, Claude Viallat, die alten und die neuen Konkreten (außer Op-Art, die ist viel zu aufregend), und viele Andere.

• Vorbildliche Künstler des Dullismus …

I. … haben viel positive Langeweile, also Muße. Die Muße ist der Luxus, zu viel Zeit zu haben. Die Muße ist die Quelle der Kreativität. Die Muße ist der allgegenwärtigen Reizüberflutung, jeglicher Dauerberieselung und einem vermeintlichen Beschäftigungszwang vorzuziehen. Die Künstler des Dullismus befreien sich von fremden Einflüssen, Zwängen und Ablenkungen, sinnloser Aufgeregtheit, von der Hektik des Alltags und vom ungesunden Hamsterrad vermeintlicher Gesellschaftsnormen. Die Künstler des Dullismus vermeiden Glitzer und Glamour, gehen nicht auf wilde Künstlerpartys, sprechen nicht mit der Boulevardpresse, ignorieren alle Moden uns folgen keinen aktuellen Trends.

II. … beschäftigen sich mit ihrer dullistischen Kunst und anderer, möglichst mußevoller Tätigkeiten und Interessen, und sie verbringen viel Zeit damit. Sie arbeiten langsam, bedächtig, kontinuierlich und konzentriert. Sie haben erkannt, dass diese Praxis gut für sie und ihre Kunst ist. Für ihre Tätigkeiten habe sie eine Routine entwickelt und sie erledigen gerne alltägliches.

III. … konzentriere sich auf das Positive und vergessen, ignorieren und ironisieren das Negative, denn das Negative erhöht nur unnötig den Blutdruck. Die Künstler des Dullismus meditieren, gehen Spazieren, sehen dem Kaminfeuer oder den Vögeln im Garten zu und lassen ihren Gedanken freien Lauf. Sie machen eine ausgedehnte Mittagspause und eventuell ein Nickerchen.

IV. … suchen sich (sofern die Kunst als tägliche Beschäftigung nicht ausreicht, weil die Farbe lange braucht, bis sie getrocknet ist, und dabei zuzusehen zu viel der Muße wäre) ein langweiliges Hobby oder Interesse, dass das Gewöhnliche und unbeachtete feiert (z.B. Straßenpoller fotografieren, Texte über gewöhnliche Vorgänge schreiben, täglich ein Doodle in ein Buch kritzeln, Geschekpapierausschnitte sammeln, Kieselsteine oder Knöpfe sammeln, usw.). Diese Beschäftigung sollte (muss aber nicht, weil: ´nen Scheiß muss ich) die Kunst ergänzen und beeinflussen. Oder sie räumen auf und sortieren Dinge wie Farbtuben, Pinsel, Schrauben oder Knöpfe.

V. … vermeiden Veränderungen, wenn sie nicht gut für die Kunst oder für sie selbst sind. Sie erstellen für sich to-do-Listen, tragen zuhause Pantoffeln oder Haussocken, lieben die Farbe Grau, lassen sich mit dem Auto oder der Bahn fahren und machen, wenn sie unbedingt Urlaub brauchen, diesen möglichst immer am selben Ort. Aber am liebsten bleiben sie Zuhause.

Admin - 12:34:44 @ Allgemein